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Raster, Schwarz und Effekte

Du lernst, wie du mit Rasterflächen, flächigem Schwarz und Effektlinien Tiefe und Stimmung in dein Panel bringst, ohne dass die Seite zukleistert.

20 Min.

Bis jetzt bestand deine Seite aus Linien. Was ihr Tiefe, Tempo und Stimmung gibt, kommt erst danach: graue Flächen, tiefes Schwarz und Effektlinien. Genau hier entscheidet sich, ob ein Panel flach wirkt oder ob man hineinschaut. In diesem Modul lernst du die drei Werkzeuge kennen und, fast noch wichtiger, wann du sie weglässt.

Screentone: das graue Mittel

Screentone (im Japanischen kurz «Tone», auf Deutsch Rasterfolie) ist eine selbstklebende, durchsichtige Folie mit einem feinen Punktmuster. Du legst sie über die fertig getuschte Stelle, schneidest die Form mit einem Cutter grob aus, klebst sie auf und schneidest dann entlang der Linie sauber nach. Zum Schluss drückst du die Folie mit einem glatten Gegenstand fest an, damit keine Luftblasen bleiben. Ein Bogen kostet etwa CHF 4 bis 8.

Auf der Verpackung stehen zwei Zahlen: die Rasterweite, meist 60 Linien pro Zoll, und die Dichte in Prozent. 10 % ergibt ein sehr helles Grau, 30 % ein mittleres, 50 % ein kräftiges. Damit gibst du Wänden und Himmel einen Mittelton, setzt Schatten unter Kinn, Nase und Stoffalten und unterscheidest die Kleidung zweier Figuren durch Karo- oder Streifenmuster. Digital ist es dieselbe Idee: eine Fläche mit Punktmuster füllen statt eine Folie kleben.

Moiré vermeiden

Moiré ist ein flimmerndes Störmuster, das entsteht, wenn zwei Punktraster mit leicht verschiedenem Winkel übereinanderliegen. Auf dem Papier sieht es nach Wellen und Flecken aus, im Druck wird es noch schlimmer. Die Lösung ist einfach: Überlagere nur Folien mit demselben Rasterwinkel, dann verdichtet sich das Muster sauber, statt zu flirren. Bleib ausserdem bei höchstens zwei Dichten pro Seite, etwa 10 % für helle Flächen und 30 % für Schatten. Sehr feine Raster ab 85 Linien pro Zoll neigen beim Fotografieren und Verkleinern ebenfalls zu Moiré, deshalb ist 60 für den Einstieg die sichere Wahl.

Ohne Raster: Punkte und Schraffur von Hand

Du brauchst keine Folie, um Grau zu erzeugen. Eine Parallelschraffur mit dem Fineliner wirkt als Mittelton, sobald der Abstand gleichmässig bleibt; wird er ungleich, sieht es schmutzig aus. Lege die Strichrichtung an die Form an, also der Rundung eines Arms folgend statt quer darüber. Kreuzschraffur nimmst du nur dort, wo es wirklich dunkler werden soll, sonst frisst sie das Licht.

Punktieren ist die zweite Möglichkeit: Du tupfst mit der Stiftspitze viele kleine Punkte, dicht für dunkel, locker für hell. Das dauert länger, ergibt aber die weichsten Übergänge und passt gut zu Haut, Wolken und alten Mauern. Zwei kleine Flächen pro Panel reichen völlig.

Speedlines und Fokuslinien

Speedlines sind parallele Linien in Bewegungsrichtung, mit dem Lineal gezogen. Die Figur selbst bleibt frei, die Linien setzen erst daneben an, dann entsteht der Eindruck von Tempo. Fokuslinien, japanisch shūchūsen, laufen dagegen strahlenförmig auf einen Punkt zu, meist auf ein Gesicht. Sie sind am Panelrand dick und laufen zur Mitte hin spitz aus. Zieh sie, indem du das Blatt drehst und immer in dieselbe Richtung arbeitest. Beides wirkt nur, wenn es selten vorkommt: ein, höchstens zwei solche Panels pro Seite.

Hintergründe mit Stimmung

Statt eines Raums kannst du hinter eine Figur auch ein Gefühl setzen. Blumen stehen für Zuneigung und Zartheit, Glitzer und Sterne für Bewunderung oder Triumph, ein gezackter Blitz mit schwarzen Splittern für Schock. Eine verlaufende Rasterfläche lässt eine Szene wie eine Erinnerung wirken. Wichtig ist nur: Ein Stimmungshintergrund ersetzt den Ort, also setz ihn erst ein, wenn der Leser vorher schon weiss, wo die Szene spielt.

Schwarz, Weiss und Grau im Gleichgewicht

Beta nennt man das flächige, deckende Schwarz, das du mit Pinsel oder breitem Stift füllst: Haare, dunkle Jacken, Schatten in einer Ecke. Als grobe Faustregel funktioniert etwa die Hälfte Weiss, ein Drittel Grau und der Rest Schwarz. Entscheidend ist die Verteilung: Setz deine Schwarzflächen so, dass sie über die Seite ein Dreieck bilden, und nicht alle in eine Ecke. Halte dein Blatt zur Kontrolle auf Armlänge weg und kneif die Augen zusammen. Wenn ein Bereich zum grauen Brei wird, fehlt Weiss. Leere Flächen sind kein Fehler, sie sind die Luft, durch die das Schwarz überhaupt wirkt.

Übung

Zeichne dreimal dasselbe kleine Panel, etwa 6 auf 8 Zentimeter, nebeneinander auf ein Blatt: eine Figur von der Brust aufwärts vor einer einfachen Wand. Die erste Fassung tuschst du nur als Linie, ohne jede Fläche. In der zweiten füllst du Haare und ein Kleidungsstück mit Schwarz. In der dritten kommt zusätzlich Grau dazu, entweder als Rasterfolie oder als Schraffur beziehungsweise Punktfläche von Hand, plus ein einfacher Stimmungshintergrund deiner Wahl. Nimm dir pro Fassung fünf Minuten, den Rest der Zeit zum Vergleichen: Halte das Blatt weit weg und schau, welche Fassung am klarsten liest. Fotografiere alle drei Panels zusammen auf einem Bild und zeig sie deinem Coach.