Chroma Manga

Haare in Strähnen

Du lernst, Manga-Haare als Volumen über der Kopfkugel und als Bündel von Strähnen zu bauen – inklusive Silhouette, Glanzband und getuschtem Schwarz.

15 Min.

Haare sind das, woran Leserinnen und Leser deine Figur zuerst erkennen – oft schon aus drei Metern Entfernung, bevor sie ein einziges Gesicht sehen. Genau deshalb lohnt es sich, Haare nicht als Dekoration zu behandeln, die man am Schluss noch schnell drüberkritzelt, sondern als eigenen Bauteil mit klaren Regeln. Die guten Nachrichten: Es sind wenige Regeln, und du kannst sie in einer Viertelstunde ausprobieren.

Vom Wirbel und vom Haaransatz

Haare wachsen nicht überall gleich, sondern von zwei Stellen aus, die du kennen musst. Der Wirbel liegt hinten oben auf dem Schädel, meist ein Stück aus der Mitte verschoben – von dort strahlen die Strähnen wie Wasser aus, das über eine Kuppel läuft. Der Haaransatz ist die Linie über der Stirn; sie verläuft in einem flachen Bogen und liegt bei der Kopfkonstruktion aus Modul 1 ungefähr dort, wo das obere Drittel des Gesichts beginnt. An den Schläfen biegt dieser Bogen nach unten zum Ohr.

Zeichne beides zu Beginn leicht mit Bleistift ein: einen kleinen Punkt für den Wirbel, einen Bogen für den Ansatz. Sobald du weisst, wo die Haare herkommen, hören sie auf, wie eine aufgesetzte Mütze zu wirken.

Volumen über der Kopfkugel

Der häufigste Anfängerfehler: Die Haare kleben direkt auf der Schädelkontur. Echtes Haar hat Dicke, es hebt sich vom Kopf ab. Zeichne die Aussenkontur der Frisur deshalb ein Stück ausserhalb der Kopfkugel – bei kurzem, glattem Haar knapp, bei einem Wuschelkopf deutlich mehr. Am Haaransatz und an den Schläfen liegt das Haar näher an, oben und hinten darf mehr Luft dazwischen sein.

Ein einfacher Test: Wenn du die Kopfkugel unter der Frisur noch erahnen kannst, aber die Kontur nirgends direkt auf ihr sitzt, stimmt das Volumen.

In Bündeln denken, nicht in Haaren

Niemand zeichnet einzelne Haare, und niemand will sie sehen. Denke stattdessen in Strähnenbündeln, ungefähr so dick wie ein Finger auf der Zeichnung. Arbeite mit drei Grössen: ein paar grosse Hauptmassen, die die Form tragen, einige mittlere darüber und ganz wenige feine Strähnen als Akzent. Wenn alle Bündel gleich breit sind, wirkt die Frisur wie ein Besen.

Auch die Spitzen kommen in Gruppen. Statt zwanzig einzelner Zacken über die ganze Länge zu verteilen, sammelst du drei oder vier Enden zu einer Zackengruppe und lässt daneben eine ruhige Strecke. Zeichne die Strähnenlinie vom Ansatz her mit Schwung und lass sie zur Spitze hin dünner auslaufen – mit dem Fineliner durch Tempo, mit der Feder durch nachlassenden Druck.

Die Silhouette ist das Erkennungszeichen

Halte deine fertige Frisur gedanklich gegen das Licht: Wäre sie als reine schwarze Fläche noch erkennbar? Ein Bob, zwei hohe Zöpfe, ein wilder Pferdeschwanz, ein Scheitel mit langen Seitensträhnen – das sind unterschiedliche Umrisse, nicht unterschiedliche Innenzeichnungen. Innen kannst du sparsam bleiben, wenn die Silhouette klar ist. Vermeide es, die ganze Kontur gleichmässig auszufransen; setze die auffälligen Zacken an zwei, drei Stellen und halte den Rest ruhig.

Glanz als Bogen oder Zackenband

Der Glanz liegt dort, wo die Kopfkugel am stärksten zum Licht gewölbt ist, meist als Band zwischen Wirbel und Ohrhöhe. Es folgt der Rundung des Schädels, läuft also quer zu den Strähnen. Zwei Varianten sind üblich: ein weicher weisser Bogen, den du einfach freilässt, oder ein Zackenband, bei dem die Ober- und Unterkante zickzackförmig in die Strähnen greift. Beim Zackenband wirkt Haar glatter und glänzender, beim weichen Bogen matter.

Wichtig: Das Band muss nicht durchgehend sein. Zwei oder drei unterbrochene Abschnitte sehen lebendiger aus als ein geschlossener Streifen.

Schwarz mit dem Pinselstift

Flächiges Schwarz heisst im Manga Beta. Für dunkles Haar füllst du die Frisur bis auf das Glanzband komplett damit. Am bequemsten geht das mit einem Pinselstift, auch Fudepen genannt: ein Filzstift mit flexibler Pinselspitze, den es ab etwa CHF 6 gibt. Arbeite von der Aussenkontur nach innen, ziehe die Randstriche in Strähnenrichtung und lass die Spitze am Ende kurz abheben – so entstehen die typischen spitz auslaufenden Haarenden von selbst. Die Fläche in der Mitte füllst du anschliessend zügig aus. Lass die Tinte gut trocknen, bevor du die Bleistiftlinien wegradierst.

Bewegung durch Wind

Wind macht aus einer Frisur eine Szene. Lege zuerst eine Richtung fest – ein kleiner Pfeil am Blattrand genügt – und lass die Strähnen einem gemeinsamen Bogen folgen, aber nicht alle gleich stark. Ein paar Bündel bleiben am Kopf liegen, andere heben ab, und die Spitzen öffnen sich fächerförmig. Der Wirbel bleibt, wo er ist: Er ist der Ankerpunkt, von dem aus die Bewegung startet.

Übung

Zeichne auf ein Blatt fünf gleich grosse Köpfe im selben Winkel, etwa fünf Zentimeter hoch – frontal oder in Dreiviertelansicht, ganz wie du magst. Markiere bei jedem den Wirbel mit einem kleinen Kreuz und den Haaransatz mit einem Bogen. Gib nun jedem Kopf eine andere Frisur, rund zwei Minuten pro Kopf, mit fünf deutlich unterschiedlichen Silhouetten. Zum Schluss wählst du eine davon aus und tuschst sie mit dem Pinselstift schwarz, wobei du das Glanzband als weisse Form aussparst. Fotografiere das Blatt komplett, damit dein Coach die fünf Umrisse nebeneinander sieht.